Zurück zur Startseite

Integrationsbüro informiert


Erklärung zum sogenannten “Beschneidungsurteil”

auf Einladung des Integrationsbeirats der Stadt Augsburg sind am 5. Juli 2012 im Zeughaus 31 Mitglieder der jüdischen und der muslimischen Gemeinden aus Augsburg und der Umgebung zusammengekommen. Bei der Veranstaltung haben sich die Teilnehmer über die sachlichen und rechtlichen Grundlagen des Urteils des Kölner Landgerichts zur Beschneidung nach religiösem Ritus informiert und im Anschluss eine gemeinsame Erklärung verabschiedet.

Gerne veröffentlichen wir hier diese Erklärung.

Gemeinsame Augsburger Erklärung

Die Gemeinden jüdischen und muslimischen Glaubens in Augsburg haben die Entscheidung des Landgerichtes Köln, das die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen als Körperverletzung bewertet hat, auf lokaler Ebene mit Augsburger Bürgerinnen und Bürgern öffentlich diskutiert.

Die Augsburger Gemeinden erklären dazu:

Die Beschneidung von neugeborenen Jungen ist fester Bestandteil des jüdischen und muslimischen Glaubens und wird von den Angehörigen beider Bekenntnisse seit Jahrhunderten praktiziert. Wir erachten sie als unverzichtbaren Bestandteil der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit in der Bundesrepublik.

Die Religionsfreiheit ist ein sehr hohes Gut in unserer Verfassung und darf nicht Spielball einer eindimensionalen Rechtsprechung sein, die obendrein diesem Thema gegenüber bestehende Vorurteile und Klischees noch weiter verfestigt, so der Zentralrat der Muslime. Ähnlich äußern sich weitere Religionsgemeinschaften auf lokaler und auf Bundesebene. Ebenso wie der Zentralrat der Juden in Deutschland fordern die Augsburger Gemeinden den Deutschen Bundestag als Gesetzgeber auf, Rechtssicherheit zu schaffen und so die Religionsfreiheit in der praktischen, rituellen Ausübung für alle Religionsgemeinschaften zu gewähren.

Es muss sichergestellt sein, dass Angehörige des Judentums oder des muslimischen Glaubens die abrahamische Praxis in ihrer Heimat, der Friedensstadt Augsburg, leben können. Dazu bedarf es eines rechtlich abgesicherten Rahmens auf der Basis der allgemein gültigen Rechtsordnung, der Schutz für die Familien und die ausführenden Ärzte gibt.

Der Schutz des Kindeswohls muss an erster Stelle stehen! Die Augsburger Gemeinden sehen in der Beschneidung jedoch keinen unrechtmäßigen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht des Kindes.