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Anerkennungsverfahren

einer außerhalb der Bundesrepublik Deutschland erworbenen Qualifikation als Lehrkraft

ein Vermerk von Herrn Alfred Glasl (Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus) zur Anerkennung ausländischer Lehramtsbefähigungen zu Ihrer freundlichen Kenntnisnahme

Vorbemerkung:

Die Lehrerausbildung in Bayern ist im Bayerischen Lehrerbildungsgesetz (BayLBG) gesetzlich geregelt. Das Ziel ist der Erwerb der Befähigung für eines der in Art. 2 BayLBG genannten Lehrämter. Mit dieser Befähigung ist nicht nur der Nachweis über die für ein erfolgreiches Unterrichten und Erziehen erforderlichen Kompetenzen und Kenntnisse verbunden, sondern auch die Voraussetzung geschaffen für die Wahrnehmung aller Tätigkeiten und beruflichen Möglichkeiten, die sich in voller Breite innerhalb der Laufbahn einer Lehrkraft – auch aus beamtenrechtlicher Sicht – ergeben. Mit einer Lehramtsbefähigung ist eine Laufbahnbefähigung im Sinne des bayerischen Leistungslaufbahngesetzes verbunden.

Anerkennung einer außerhalb der Bundesrepublik Deutschland erworbenen Qualifikation als Lehrkraft:

Unter der Anerkennung einer außerhalb der Bundesrepublik Deutschland erworbenen Qualifikation als Lehrkraft ist die Gleichstellung dieser Qualifikation mit einer Lehramtsbefähigung im Sinne des BayLBG zu verstehen.

Es sind zwei Fallgruppen zu unterscheiden:

  1. Lehrkräfte, die ihre Qualifikation in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder in einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum (z.B. der Schweiz) außerhalb der Bundesrepublik Deutschland erworben haben.
  2. Lehrkräfte, die ihre Qualifikation außerhalb der Bundesrepublik Deutschland erworben haben und dem unter 1 genannten Personenkreis weder angehören noch nach dem Recht der Europäischen Union gleich zu stellen sind („Drittstaatsangehörige“).

Die Anerkennung einer Qualifikation als Lehrkraft für Personen der Fallgruppe 1 richtet sich nach der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG, die in Art. 7 Abs. 4 BayLBG und der EG-Richtlinienverordnung für Lehrer (EGRiLV-Lehrer) in bayerisches Landesrecht umgesetzt ist.

Im Rahmen der Antragsbearbeitung wird geprüft, inwieweit die im Herkunftsland absolvierte Ausbildung nach Inhalt und Umfang von der Ausbildung in Bayern abweicht.

Berufserfahrung ist dabei zu berücksichtigen. Werden keine wesentlichen Ausbildungs-unterschiede festgestellt, erfolgt die Zuerkennung der Befähigung für das beantragte Lehramt, d.h. die vollständige Gleichstellung mit einer in Bayern nach dem BayLBG ausgebildeten Lehrkraft.

Ist eine sofortige Anerkennung aufgrund der festgestellten Ausbildungsunterschiede nicht möglich, so werden dem Antragsteller/der Antragstellerin die rechtlich vorgesehenen Defizitausgleichsmaßnahmen angeboten:

a)      Absolvieren eines Anpassungslehrgangs von max. 3 Jahren Dauer; d.h. Ausübung des Lehrerberufs unter fachkundiger Anleitung durch berufserfahrene Lehrkräfte (i.d.R. Seminarlehrkräfte) ggf. in Verbindung mit dem Besuch von ergänzenden Lehrveranstaltungen an der Universität. Für die Dauer des Anpassungslehrgangs wird eine Unterhaltsbeihilfe in Höhe der Anwärterbezüge im Vorbereitungsdienst für die entsprechende Laufbahn gewährt.

b)      Ablegen einer Eignungsprüfung, d.h. Einzelprüfungen nach den Bestimmungen der Lehramtsprüfungsordnung I bzw. Lehramtsprüfungsordnung II oder auch Nachweis universitärer Prüfungen zum Erwerb von Zulassungsvoraussetzungen zur Ersten Staatsprüfung.

Die Wahl der Ausgleichsmaßnahme liegt beim Antragsteller/der Antragstellerin. Meistens wird der Anpassungslehrgang gewählt.

Nach erfolgreichem Absolvieren der Ausgleichsmaßnahme wird die Befähigung für das beantragte Lehramt festgestellt.

Für Personen der Fallgruppe 2 (Lehrkräfte aus Drittstaaten) gibt es derzeit keine Rechtsgrundlage, eine Lehramtsbefähigung auf dem Wege eines Anerkennungsverfahrens zu erwerben. Es darf darauf verwiesen werden, dass für eine Übernahme in ein Beamtenverhältnis eine deutsche Staatsangehörigkeit oder die eines EU-Mitgliedstaats notwendig ist.

Lehrkräften der Fallgruppe 2 steht aber der gesamte Bereich des privaten Schulwesens für eine unmittelbare Berufsausübung offen. Die Lehrkräfte wenden sich in diesem Fall unmittelbar an eine geeignete Schule, die dann die erforderliche Unterrichtsgenehmigung beantragt.

Selbstverständlich können Lehrkräfte aus Drittstaaten eine Lehramtsbefähigung nach den Bestimmungen des BayLBG durch Studium und Ablegen der Ersten Lehramtsprüfung sowie Ableisten des Vorbereitungsdienstes mit abschließender Zweiter Staatsprüfung erwerben.

Über die Anrechnung von im Ausland erworbenen Ausbildungsteilen als Studien- und universitäre Prüfungsleistungen entscheidet die aufnehmende Universität. Die Teilnahme am zweijährigen Vorbereitungsdienst im Beamtenverhältnis auf Widerruf ist aufgrund einer Ausnahmeregelung auch ohne EU-Staatsangehörigkeit möglich.