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Doppeljubiläum


synagoge

Am Sonntag, 24. Oktober 2010 haben wir ein echt jüdisches Fest gefeiert. Vor 25 Jahren wurde das Gotteshaus der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg wieder eröffnet. Die zwischen 1914 und 1917 von den Architekten Friedrich Landauer und Heinrich Lömpel in der Halderstraße errichtete prachtvolle Augsburger Jugendstil-Synagoge zählt heute zu den schönsten in ganz Europa. Eingeweiht1917, hat sie die Reichspogromnacht und den Zweiten Weltkrieg glücklicherweise nur beschädigt – und nicht zerstört – überstanden.

Unter dem orientalischen Sternenhimmel der Augsburger Synagoge wurde gleichzeitig mit ihrer Wiedereinweihung auch das Jüdische Kulturmuseum für Augsburg und Schwaben eröffnet. So entstand 1985 eine reiche Kultur der Erinnerung an das jüdische Leben in Schwaben,die heute weit über den lokalgeschichtlichen Rahmen hinaus große Bedeutung hat.

Die Wiedereinweihung der Augsburger Synagoge erlebten im September 1985 etwa 120 ehemalige Gemeindemitglieder, die zur Einweihung der renovierten Synagoge damals aus allen Teilen der Welt anreisten. Die kleine, nur wenige hundert Mitglieder (199 im Jahr 1989) umfassende jüdische Gemeinde in Augsburg wurde zu einer Integrationsinstanz für jene gut 4000 jüdischen Immigranten aus den ehemaligen GUS-Staaten, die seit Beginn der 90er Jahre nach Augsburg kamen. Dadurch konnte die Gemeinde 60 Jahre nach dem Holocaust zu einer am schnellsten wachsenden jüdischen Gemeinschaft werden, die heute mit über 1.500 Mitgliedern die drittgrößte in Bayern ist.

                        

Wachstum der Gemeinden in Bayern (Stand: 31.12.09)

 

Im Zusammenhang mit diesem Zuzug ist die Synagoge schon längst nicht mehr als das größte Exponat des Jüdischen Kulturmuseums, sondern ein Mittelpunkt, der im jüdischen Leben der Stadt Augsburg nicht nur zu einem zentralen Treffpunkt für religiöse und kulturelle Veranstaltungen, sondern auch zu einem beliebten Lern- und Begegnungsort geworden ist.

Während der letzten 5 Jahre wurde in der jüdischen Gemeinde eine starke Infrastruktur ausgebaut, die eng mit der Förderung der Integration verbunden ist. Unterschiedliche Integrationshilfen, Wissensvermittlung zu jüdischem Leben, jüdischer Geschichte und Kultur sowie Bildungsarbeit und vielfältige Kulturaktivitäten sehen wir als sehr wirksame Integrationsinstrumente, die eine nachhaltige Wirkung zeitigen, was in einer von Zuwanderung geprägten deutschen Gesellschaft sehr wichtig ist. Ohne diese vorhandene umfassende Infrastruktur wird die Eingliederung jüdischer Zuwanderer in die jüdische Gemeinschaft – was wiederum die Integration in die deutsche Gesellschaft erleichtert – kaum gelingen.

 Im Rahmen des offiziellen Festaktes zum Doppeljubiläum sprachen Grußworte Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, der Augsburger Gemeindepräsident Alexander Mazo und Dr. Georg Haindl, Vorsitzender des Stiftungsrats des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg-Schwaben, Bezirkstagspräsident von Schwaben Jürgen Reichert und Peter Grab, Kulturbürgermeister der Stadt Augsburg, Museumsdirektorin Dr. Benigna Schönhagen und Landesrabbiner em. Dr. h.c. Henry Brandt. Der Bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus Dr. Ludwig Spaenle hielt die Festrede.
Anwesend waren Regierungspräsident von Schwaben Karl Michael ScheufeleVertreter des Landesverbandes IKG Bayern: Präsident des Landesverbandes Herr Dr. Josef Schuster undGeschäftsführer Herr Dr. Andre BerkalVertreter der DIG-Arbeitsgemeinschaft Augsburg-Schwaben und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Augsburg und Schwaben sowie Gäste aus der Politik, Wirtschaft und der Medienbranche, Journalisten aus lokalen und regionalen Zeitungen.

Den musikalischen Rahmen des Festaktes gestaltete schwungvoll der Kantor Nicola DavidSusanne Simenec und der gut eingestellte Kammerchor von St. Anna unter der Leitung von HerrnMichael Nonnenmacher, der für seinen Einsatz besonderen Applaus erhielt.

 

 

 

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Alexander Korolev

Augsburg, 30. Oktober 2010