Интеграционное бюро


Über 90 % der ca. 1.500 Mitglieder der heutigen jüdischen Gemeinde in Schwaben haben eine Zuwanderungsgeschichte: Sie stammen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion und sind seit Anfang der 90er Jahre als jüdische Immigranten nach Deutschland gekommen. Dazu kommt eine annähernd genauso große Zahl an nichtjüdischen Familienangehörigen. Viele von ihnen verfügen über kein oder nur ein geringes Wissen über ihre neue Heimat, auch darüber, wie die Juden in Schwaben früher lebten und den jüdischen Alltag gestalteten.

Mehr als die Hälfte dieser Menschen sind älter als sechzig Jahre. Sie haben erhebliche Schwierigkeiten sich in ihrem neuen Umfeld zurecht zu finden, insbesondere, weil sie die deutsche Sprache oftmals nicht beherrschen und sich mit dem deutschen System nicht ausreichend auskennen. Eine eigenständige Kontaktaufnahme zu Ärzten, Behörden oder Informations- und Anlaufstellen für hilfe- und pflegebedürftige Personen ist diesen Personen in vielen Fällen unmöglich.

Aber auch für Kinder und Jugendliche brachte die Migrationsentscheidung der Eltern die Probleme schulischer und beruflicher Art mit sich. Sie befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen verschiedenen Kulturen – der russischsprachigen, jüdischen Kultur im Elternhaus, der ebenfalls russischsprachigen, jedoch atheistisch und oft antisemitisch geprägten Kultur des Herkunftslands und der deutschen Kultur, in der verschiedene Konfessionen leben. In diesem Spannungsfeld der Kulturen fällt es den Heranwachsenden oft sehr schwer ihre eigene Identität zu finden.

Aufgrund der Diskriminierung jüdischer Menschen und der Unterdrückung jüdischen Lebens in der ehemaligen UdSSR  haben viele von ihnen nur ein geringes Wissen auch um das Judentum und ihre eigenen Wurzeln.

Das im Oktober 2008 neu gegründete Integrationsbüro sieht sich daher vor die anspruchsvollen Aufgaben gestellt diesen Menschen bei einer doppelten Adaption, d.h. bei der Eingliederung sowohl in die jüdische Gemeinschaft als auch in die deutsche Aufnahmegesellschaft, behilflich zu sein. Um das geistige und emotionale Wohlbefinden sowie die Lebensqualität der älteren Gemeindemitglieder und deren Familienangehörigen zu verbessern, kümmern wir uns um ihre Anliegen und leisten ihnen praktische Hilfen im Alltag.

Viele von unseren Mitgliedern (und deren Familienangehörige) im erwerbsfähigen Alter sind hochqualifiziert, haben jedoch dennoch oft Schwierigkeiten eine Arbeitsstelle zu finden. Wir bemühen uns sie durch die Vermittlung deutscher Sprachkenntnisse, Computer- und Bewerbungstrainings, die Organisation von Orientierungs- und Integrationsseminaren sowie durch persönliche Betreuung aktiv bei der Arbeitsmarktintegration zu unterstützen und ihre soziale Isolation durchzubrechen. Seit 2011 widmen wir uns in Zusammenarbeit mit verschiedenen Abteilungen der Gemeinde verstärkt der sozialen Projektarbeit, mit dem Ziel, die Infrastruktur in der Gemeinde zu verbessern und zu stärken.

Als anerkannte Einsatzstelle für den Bundesfreiwilligendienst bieten wir motivierten Freiwilligen vielfältige Einsatzmöglichkeiten an: Integrations- und Jugendarbeit, allgemeine Pflege- und Betreuungsdienste an alten, kranken, behinderten oder in anderer Weise hilfebedürftigen Personen, handwerkliche Tätigkeiten, Fahr- und Küchendienste, Versorgungs- und Reinigungstätigkeiten, gärtnerische und landwirtschaftliche Tätigkeiten.

In den Räumen des Gemeindezentrums arbeiten heute täglich Menschen sowohl jüdischer als auch nichtjüdischer Herkunft unter einem Dach zusammen. Die Teilnahme an einem gemeinsamen Verständigungsprozess, an dem sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionen beteiligen, hilft, kulturelle und sprachliche Barrieren, Intoleranz und latente Vorurteile jeder Art im Arbeitsalltag abzubauen, eine Vertrauensbasis zu schaffen, soziale und interkulturelle Kompetenzen zu fördern sowie ein konstruktives Zusammenleben und einen gemeinsamen Dialog zu ermöglichen, der in einer von Zuwanderung geprägten deutschen Gesellschaft von existenzieller Bedeutung ist.

Bei unserer Arbeit setzen wir in großem Maße auf die Zusammenarbeit mit erfahrenen Kooperationspartnern, lokalen Netzwerken für Integration und mit anderen Institutionen, die für Migrations-, Integrationsfragen und interkulturelle Beziehungen verantwortlich sind, und die unsere Integrationsbestrebungen unterstützen:

  • mit dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben
  • mit dem Integrationsbeirat der Stadt Augsburg
  • mit der „Tür an Tür Integrationsprojekte gemeinnützige GmbH“ (Augsburg)
  • mit dem Kompetenzzentrum MigraNet Transferstelle Augsburg
  • mit dem Integrationszentrum Augsburg
  • mit der Universität Augsburg
  • mit der Evangelischen Jugend Augsburg
  • mit dem VerbraucherService Bayern im Katholischen Deutschen Frauenbund e.V.
  • mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland
  • mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland
  • mit der „Stiftung MITARBEIT“
  • mit dem Verein „EJKA e.V.Europäische Janusz Korczak Akademie“ (München)
  • mit den zuständigen Stellen der Polizei und Justiz (Polizeiinspektion Augsburg)
  • mit Betreuer/innen nach dem Betreuungsgesetz
  • mit den Mitarbeitern der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Augsburg Stadt
  • Kultur- und Bildungszentrum CREDO e.V.
  • sic – Gesellschaft für Forschung, Beratung, Organisationsentwicklung und Sozialmanagement mbH (Interkulturelles Altenhilfe)
  • AOK – Gesundheitskasse Augsburg
Sprechzeiten: Mo.-Fr. 9:00-12:00 Uhr und 13:00-16:00 Uhr
Kontakt:
Ansprechpartner: A. Korolev, Viktorija Kämpf
Telefon: 0821-509 93 25
E-mail: integration@ikg-augsburg.com