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Michail Umansky


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Er war einer von uns. In Memoriam von Herrn Michail Umansky

(21.01.1952, Stavropol, UdSSR-17.12.2010, Augsburg, BRD)

Am 17. Dezember 2010, ein Monat vor seinem 59.-jährigen Geburtstag schied Herr Michail Markovitsch Umansky, Mitgleid unserer Gemeinde, 13. Fernschachweltmeister, internationaler Meister FIDE, Fernschachgroßmeister ICCE aus dem Leben. Er war bescheiden und im Alltag anspruchslos, verwandelte sich jedoch an einem Schachbrett. Hinter seiner zurückhaltenden und sogar etwas langsamen Art verbarg sich eine für einen außenstehenden Beobachter versteckte wundervolle und überwältigende Schachwelt, voller Leidenschaft und Emotionen. Ich habe sein Spiel einige Male beobachtet und verstand nicht immer, wieso und weswegen er den einen oder den anderen Zug gemacht hat und dann, nach einigen Zügen, bewunderte ich seinen filigranen und tiefgehenden Plan und sein Gegner realisierte mit Entsetzen, dass es keine Rettung mehr gab.

In seiner Jugend erreichte Michail zahlreiche Erfolge am Schachbrett. Bei Jugendwettbewerben der UdSSR in den Jahren 1965-66 belegte er den zweiten Platz, und im Jahre 1968 teilte er als 16-jähriger die Plätze 1-3 mit den zukünftigen Großmeistern O. Romanischin und R. Vaganjan und wurde Sportmeister der UdSSR in Schach. Michail fing seine Schachkarriere gleichzeitig mit A. Karpov, E. Sveschnikov, S. Makarychev, O. Romanischin, R. Vaganjan und anderen, später berühmten Großmeistern und Meistern an. Was seine Begabung, sein Verständnis für das Schachspiel und seine Einsicht in die geheime Welt dieses Spiels anbetrifft, war er besser als viele der aktiven Großmeister, jedoch haben Besonderheiten seines Charakters und sein Gesundheitszustand es ihm nicht erlaubt, sein Potential vollumfänglich zu entfalten. Im weiteren Verlauf seines Lebens konnte er aufgrund von seiner angeschlagenen Gesundheit nicht an direkten Turnieren teilnehmen und stellte sich auf Fernschach um. Seine Erfolge auf diesem Feld waren überwältigend: in Folge und mit großem Abstand gewann er die Meisterschaften der RSFSR und UdSSR, wurde Fernschachweltmeister, indem er die Meisterschaft von 1992-1995 mit dem Ergebnis +10-0=6 (!!!) gewann und behielt diesen Titel bis 2000. Wenn die ICCF (International Correspondence Chess Federation) das einmalige Turnier anlässlich des 50-jährigen Bestehens dieser Organisation veranstaltete, an dem alle zu der Zeit lebenden Fernschachweltmeister teilnahmen, belegte er wieder den ersten Platz, indem er ohne eine einzige Niederlage das phänomenale Ergebnis von +6-0=2 erreichte. Und das gegen Weltmeister verschiedener Jahre!!! Wie er selber sagte, hat er die Gegner buchstäblich „zerrissen”.

Herr Umansky hatte folgende Titel: Internationaler Meister ICCFD, Großmeister ICCF, internationaler Meister FIDE, er war vierfacher Stavropollandmeister, bei der Meisterschaft von RSFSR in 1989 ist er vierter geworden. Er hat die Hohe Trainerschule am Staatssportinstitut (Fakultät der Schachtheorie und -methodik) absolviert.

Seit 1998 lebte Michail in Deutschland, aber bei Fernschach vertrat er bis zum Ende Russland. In Augsburg nahm er erfolgreich an zahlreichen Turnieren teil, war viele Jahre lang Trainer und Leiter der ersten Mannschaft TSV Haunstetten, gab Unterricht für die Kinder. Sein Schüler war der nationale Meister FIDE, Bayerischer Meister, Mitglied unserer Gemeinde Boris Grimberg.

Michail war Mathematiker und Programmierer von Beruf, zwei Jahre lang arbeitete er als Computerlehrer an der Integartionsabteilung unserer Gemeinde.

Die Schachgemeinschaft von Augsburg, Sportverein TSV Haunstetten und unsere Gemeinde werden noch lange die Anwesenheit von Herrn Michail Markovitsch Umansky spüren. Die Schachföderation Russlands bezeichnete Herrn Umansky als „einen der größten Spieler in der Geschichte des Fernschachs der Welt”.

PS. Das 11. Purim-Schachturnier am 3.04.2011 widmen wir dem Andenken an Michail Markovitsch Umansky

I.Urbach, Leiter des Schachklubs